Milch ohne Muh

Stern Gesund leben 5/2017

Getränke aus Soja, Hafer, Reis oder Mandeln machen sich in den Supermarktregalen breit. Wie gesund ist der pflanzliche Milchersatz?

IN MEINEM BIOMARKT stehen inzwischen auf etwa zehn Regalmetern Soja-, Hafer-, Mandel- und andere Pflanzendrinks. Die Regale für Milch sind kürzer. Das gibt mir zu denken. Ich ernähre mich nicht vegan, habe keine Laktoseintoleranz und trinke gern frische Milch im Kaffee. Könnte es sein, dass ich einen wichtigen Trend verpasse? Vielleicht verschafft mir der angesagte Milchersatz ja tolle neue Geschmackserlebnisse? Ich kaufe also je einen Soja-, Mandel- und Lupinendrink.

Die Zeiten, als Soja- oder Mandelmilch nur von Menschen mit Laktoseunverträglichkeit und Veganern gekauft wurden, sind vorbei. Der Markt für Pflanzendrinks wächst mit deutlichen Zuwachsraten. Auch Vegetarier und Mischköstler probieren gern neue Produkte. Zudem haben viele Verbraucher Bedenken gegen einen hohen Milchkonsum oder hoffen, mit pflanzlichen Lebensmitteln der Massentierhaltung etwas entgegenzusetzen.

Als Milch darf nach dem Gesetz nur bezeichnet werden, was durch Melken gewonnen wurde. Einzige Ausnahme ist Kokosmilch. Für milchartige Getränke jedoch ist das Ausgangsmaterial schier unerschöpflich: im Prinzip alle Nüsse, Getreidekörner und Bohnen. Das reicht von Sojabohnen, Mandeln, Haselnüssen und Macadamia bis zu Hafer, Dinkel, Reis und Süßlupinen. Die Zutaten werden eingeweicht, zerkleinert, mit viel Wasser vermengt, gekocht und filtriert und ergeben dann eine milchige Flüssigkeit.

Pflanzendrinks haben ein gutes Image. Aber ist das gerechtfertigt? Der Gehalt an Nähr- wie auch an Zusatzstoffen unterscheidet sich erheblich je nach Sorte und Hersteller. Während Kokos- und Mandelmilch mit zwei natürlichen Zutaten auskommen – Kokosfleisch bzw. Mandeln und Wasser – gibt die Liste der Inhaltsstoffe mancher Getreidedrinks zu denken: Viele Firmen setzen ihren Produkten Zucker, Pflanzenöl, Verdickungsmittel wie Carrageen und Guarkernmehl, Emulgatoren, Konservierungs- und Farbstoffe zu. Drinks aus Hülsenfrüchten sind eiweißreich – in Soja und Süßlupine stecken sogar alle essenziellen Aminosäuren, die wir mit der Nahrung aufnehmen müssen. Im Gegensatz zu richtiger Milch liefern sie uns aber weder genügend Kalzium noch Vitamin B12. Das wird dann oft zugesetzt, da durch den Verzicht auf Milch eine wichtige Quelle für diese Stoffe entfällt.

WEGEN GESUNDHEITSRISIKEN wird in der Kinderernährung von Milchersatzprodukten abgeraten. Problematisch können Drinks aus Reis und Soja sein. Reis kann größere Mengen an Arsenverbindungen enthalten, die auch bei Einhaltung der Grenzwerte den Körper belasten können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät davon ab, Säuglingen Reismilch zu geben. Soja enthält Isoflavone, hormonähnliche Substanzen, die mal als gesundheitsförderlich, mal als riskant eingestuft werden. Beugen sie Brustkrebs vor oder lösen sie ihn womöglich aus? Lindern sie Wechseljahresbeschwerden? Oder beeinträchtigen sie das Hormonsystem? Auch ökologisch punkten viele Drinks nicht. Um einen Liter Sojamilch herzustellen, braucht es fast 300 Liter Wasser; eine einzige Mandel benötigt bis zur Reife vier Liter. Dazu kommen weite Transportwege.

Mein persönlicher Testsieger ist übrigens der Lupinendrink: schmeckt cremig-lecker und lässt sich aufschäumen. Und die Hülsenfrucht wächst in Deutschland, braucht wenig Wasser und keinen Dünger – Lupinen werden vielmehr als Gründünger eingesetzt.