Gemüsebauern in der Schule

Stolz zeigen die beiden kleinen Gemüsebauern ihre Ernte
Foto: GemüseAckerdemie e.V.

Eine gute Idee macht Schule: Schon mehr als 6000 Kinder in 145 Schulen und Kitas bauen ihr eigenes Gemüse an. Die GemüseAckerdemie e.V. unterstützt sie und ihre Lehrer beim Gärtnern.

Wo ist das Gemüse, bevor es im Supermarkt verkauft wird? Wie lange dauert es, bis Möhren groß sind? Wie schmeckt eigentlich roter Mangold? Die mehreren hundert kleinen Ackerbauern, die in vielen Schulen oder Kitas begeistert Salat gießen, Möhrenreihen jäten und Mangoldpflänzchen in die Erde setzen, wissen das ganz genau. Und noch viel mehr: Sie pflegen ihre Pflanzen, ernten, verkaufen und verarbeiten „ihr“ Gemüse – und würden niemals etwas davon einfach in den Müll werfen.

„Jetzt weiß ich, dass Mais reif ist, wenn die Haare, die aus ihm raushängen, braun sind und der Mais schon ein bisschen gelb ist,“ erzählt ein Schüler aus Berlin stolz.

Über solche Erzählungen freut sich einer ganz besonders: Christoph Schmitz, der 2012 die Idee der „GemüseAckerdemie“ entwickelt hat. Selber in der Landwirtschaft aufgewachsen, möchte er Kindern zeigen, wo das Gemüse herkommt und dass man es selbst anbauen kann. „Die meisten Kinder wachsen heute komplett naturfrei auf, da hilft auch ein Schulbesuch auf dem Bauernhof nicht viel weiter“ erzählt er. „Sie wissen nicht, dass Obst und Gemüse Naturprodukte sind, um die man sich intensiv kümmern muss, bis sie geerntet werden können.“

Ackerarbeit, die viel Spaß macht

Auf einem Schulacker kann man das alles lernen – und hat viel Spaß zusammen. Die Gemüsebeete mit Tomaten, Bohnen, Kartoffeln und vielen weiteren leckeren Lebensmitteln werden von den Schülern unter Anleitung selber gesät, gepflanzt und während des Wachstums betreut. Natürlich auch während der Ferien, die Pflanzen brauchen schließlich jeden Tag Pflege und Wasser. Dieser Einsatz schweißt zusammen: Die Ackerbauern wissen, wie wertvoll ihr selbst angebautes Gemüse ist und verteidigen es gegen unachtsame Mitschüler, die schon mal auf ein kleines Salatpflänzchen treten. Und einfach wegwerfen würden sie es auf keinen Fall!

Die eigenen Schätze werden verkauft und gegessen

Für Christoph Schmitz ist es auch wichtig, dass die Kinder die gesamte Wertschöpfungskette erleben – einschließlich, Ernte, Verkauf und Verzehr. Ein Schüler bringt es auf den Punkt: „Mir hat sehr gut gefallen, dass ich am Ende auch ernten durfte. Und was ich dabei gelernt habe, ist, dass man da immer sehr viel ackern muss, aber dass man am Schluss auch sehr viel gelernt hat.“ Die Ernte verkaufen die kleinen Ackerbauern dann an die Schulkantine oder an die Eltern – und in vielen Familien ist danach Gemüse-essen kein Thema mehr. So wie bei dieser Schülerin aus Berlin: “Ich hab vorher keine Zucchini gemocht und jetzt esse ich die einfach so roh. Und Rotkohl auch.”

In der GemüseAckerdemie, einem schulbegleitendem Bildungsprogramm von Ackerdemia e.V. in Berlin, lernen Kinder durch eigenes Handeln, wo Lebensmittel herkommen, wie sie angebaut werden und wie man bewusst mit ihnen umgeht. Die Schulen, die sich daran beteiligen, bekommen umfangreiche Unterstützung:

  • Hilfe bei Suche und Bearbeitung der Ackerfläche,
  • Anlage von mind. 25 Beeten, Saatgut, Jungpflanzen,
  • fachliche und pädagogische Betreuung,
  • Lehrpläne, Unterrichtsmaterialien,
  • AckerSpiel, AckerBlog,
  • ehrenamtliche erwachsene Mentoren …

Die GemüseAckerdemie ist bereits an vielen Schulen und Kitas in 12 Bundesländern sowie in Österreich und der Schweiz aktiv und hat für ihr Konzept mehrere Preise erhalten, unter anderen wurde es 2014 als „Ausgezeichneter Ort“ im Wettbewerb „Land der Ideen“ ausgezeichnet.

www.gemüseackerdemie.de/